Ein Erlebnis aus der Gastronomie

Es ist schon Wahnsinn, wie leicht jemand die Auszeichnung »Unattraktivitätsfaktor Nummer 1« bekommen kann und was das in der Schlussfolgerung bedeutet. Doch der Reihe nach.

Meine Frau und ich wohnen in einer recht kleinen Stadt mit ca. 20.000 Einwohnern. Wenn da jemand beispielsweise ein neues Lokal eröffnet, ist das erst mal die Attraktion schlechthin und die Neuigkeit geht herum wie ein Lauffeuer. Kürzlich ist bei uns genau das passiert.

Ein Gastronom hat nun nach einem Jahr Umbauphase endlich seinen Laden eröffnet. Mit Biergarten dabei, also ganz nett. Nun war noch vor Kurzem eine recht lange Zeit nicht gerade Biergartenwetter – doch an einem Tag luden höhere Temperaturen und ein paar Sonnenstunden dazu ein, den Abend draußen zu verbringen. Natürlich auch in einem Biergarten. So hatte auch an diesem Tag das neue Lokal einen vollen Biergarten – und zwei Leute im Laden: einen an der Theke und eine Bedienung!

Meine Frau hatte sich dort mit Freunden verabredet, um auch die Küche dort zu testen. Da in der Getränkekarte ebenso Cocktails angeboten wurden, entschieden sich alle vier für einen solchen. Der Kommentar der Bedienung bei der Bestellung: „Ich würde Ihnen davon abraten, denn mein Kollege an der Theke ist so stark ausgelastet, dass das jetzt zu lange dauern wird.“

Hier wird etwas angeboten, wovon jedoch abgeraten wird!

Jetzt könnte man das Ganze positiv und serviceorientiert aufnehmen, weil der Kunde nicht so lange warten soll. Andererseits: Wenn ein Biergarten Platz für 60 Personen bietet und das Wetter einladend ist, dann sollte man sich als Gastronom etwas einfallen lassen. Nämlich genügend Personal dazuhaben, die sich angemessen um die Gäste kümmern.

Kurz: die Vier haben Bier bestellt – und mussten darauf auch eine halbe Stunde warten. Gegessen haben sie nichts. Sie sind nach dem Bier wieder gegangen.

Spätestens dieser Tag dürfte das Todesurteil dieses Gastronom sein, der zu dem Zeitpunkt gerade mal seit zwei Wochen neueröffnet hatte. Denn hier greift wieder das, was ich immer sage: Gerade in einem serviceorientierten Bereich muss man seinen ganzen Fokus auf den Service setzen. Zwar gehört das Produkt auch dazu – das Essen muss schmecken, das Bier muss richtig gezapft und kalt sein – aber nach dem Besuch müssen Gäste sagen: Das war super! Dann kommen die auch wieder.

Nach dem Erlebnis meiner Frau und ihrer Freunde – was sicher auch andere Gäste an diesem Abend gemacht haben – geht hier im Ort herum: Da brauchst du nicht mehr hingehen! Ich vermute, dieses Lokal dürfte in einem halben Jahr tot sein. Wer nicht in Service investiert, ist irgendwann weg vom Markt.

Da frage ich doch mal ganz provokant: Wie lange wollt Ihr eigentlich noch mit Eurem Geschäft überleben?

Kennen Sie sowas? Erzählen Sie mir Ihr Erlebnis, das Sie schon mal aus den Socken gehauen hat. Bloggen Sie mit!

So wollen Sie doch einen Service erleben!

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